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Weltgebetstag

02.08.2018

Bibelarbeit zu Lk 14, 13-24 von Simone Kluge

2019_WGT Slowenien_Titelbild

Diese Bibelarbeit folgt dem Ansatz von Luise Schottroff, dass das Gleichnis „eine Geschichte aus dem wirklichen Leben ist“. Wobei die Gleichniserzählung vom literarischen Kontext her eindeutig interpretiert wird, während die Gestalt des Gastgebers missverständlich bleibt. Es ist - so Luise Schottroff - den Hörenden und Lesenden aufgetragen, den Unterschied auszudrücken[1].

In den Kontext, in den die AutorInnengruppe um Lukas das Gleichnis stellt, werden diejenigen durch das Gleichnis herausgefordert, die am Sabbat am Tisch des leitenden Pharisäers zusammen sind (als Geladene und möglicherweise auch nicht Geladene oder als Dienende). In zweiter Hinsicht sind es die AdressatInnen der jungen christlichen Gemeinden und natürlich auch wir.

In der Annäherung an den Bibeltext können wir zusammen mit den ProtagonistInnen eine Lernerfahrung machen. Indem wir als Hörerinnen mit ihnen die Wandlung durchleben, öffnen sich auch uns Räume für neue Möglichkeiten und wir können uns gegenseitig ermuntern und ermutigen, uns auf neue Denk- und Handlungsweisen einzulassen und „anders miteinander in der Welt zu sein“[2].

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Einstieg:

Diese Bibelarbeit steht unter der Überschrift „Kommt, alles ist bereit! - Bin ich bereit?“. Die Frage der eigenen Bereitschaft hat viel mit Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge zu tun, mit einem achtsamen Hinspüren und Lauschen. So möchte ich euch zu Beginn dieser Bibelarbeit u einer Körperwahrnehmung einladen.

Körperwahrnehmung

Wie bin ich jetzt da?
Wie stehe ich da? Wie ist mein Kontakt zum Boden?
Wie ist meine Ausrichtung? Eher nach innen gerichtet oder nach außen?
Wie fühlt sich mein Körper an?
Meine Knie, die Hüfte?
Der Rücken?
Kopf und Nacken?
Wo kann etwas fließen?
Wo fühle ich Anspannung oder sogar Schmerz?
Wir nehmen all das war, ohne es zu werten.
Nehmen unseren Atem wahr, wie er in unseren Körper hinein und hinausströmt,
ohne ihn zu verändern.
Wir nehmen einfach nur wahr.

Körperfürsorge

Und wir schauen, was unser Körper jetzt braucht, und geben dem Raum. Jede für sich. Ist es ein Schütteln oder ein Strecken, eine Bewegung am Platz oder eher durch den Raum? Ein Gähnen, ein Stöhnen, ein Seufzen oder Tönen. Alles darf sein und hat hier Platz. Dazu gibt es eine Musik.

Bewegung zur Musik, z.B. zu „Little Ragtime“

„Momentaner Füllstand“ - Selbsteinschätzung

Wir haben nun auf dieser Weltgebetstagswerkstatt schon viel über Slowenien gehört, Bilder gesehen, Dinge geschmeckt und erfahren. Wie ist mein momentaner Füllstand?
Wir haben hier im Raum eine Linie von 0 bis 10. Zehn bedeutet: „Mir reicht´s, eigentlich bin ich schon übervoll. Ich brauche dringend mal ´ne Auszeit. Bei mir passt nichts mehr rein.“ Null bedeutet: „Ich bin frisch und aufnahmebereit. Von mir aus kann´s losgehen.“ Bitte ordnet euch möglichst spontan auf der Skala von 0 bis 10 ein. -> Rolleninterviews einzelner

Alternativ: Austausch zu Zweit oder zu Dritt

Wir werden heute von einem Gleichnis Jesu hören, in dem Menschen zu einem großen Festmahl eingeladen werden.
Doch die Eingeladenen sagen einer nach dem anderen ab.

Kenne ich das auch, diese Überlegung, doch eher abzusagen?

Wann habe ich das letzte Mal eine Einladung ausgeschlagen und warum?

Tauscht euch zu Zweit / zu Dritt darüber aus.

 

 

Raum schaffen für die Begegnungen mit dem Bibeltext

Wir kennen das sicher alle, dass einem auch schöne Dinge, ein weiteres Angebot, eine Einladung zu viel werden können. Dass eigentlich kein Raum mehr für neue Begegnungen und Impulse ist oder anderes dringlicher erscheint. So wollen wir uns vor der Begegnung mit dem Bibeltext noch einmal Zeit nehmen, um anzukommen im Hier und im Jetzt.

Tanz: „Balance“ oder „Sonnentanz“ ( z.B. zur Musik Air von J.S. Bach)

Bibelbegegnung

a)            Lesen des Bibeltextes reihum, Vers für Vers
b)           Sammeln von Ersteindrücken

Input zum Verständnis des Gleichnisses

Nach Luise Schottroff handelt es sich bei Lk 14, 16-24 um eine Geschichte aus dem wirklichen Leben. Die Geschichte nimmt nüchtern wahr, wie Menschen so ticken:

- Der Gastgeber, der erst nur die „Reichen und Schönen“ einlädt.
- Der zornig wird, als die Eingeladenen absagen.
- Der erst beim 2. und 3. Anlauf die von den Straßen und Gassen, Hecken und Zäunen einlädt.
- Die zuerst eingeladenen Gäste, die absagen.
- Die von den Wegen und Zäunen, die genötigt werden müssen, herein zu kommen.

Das Gleichnis zeigt keine perfekte Welt, aber es eröffnet Räume für neue Möglichkeiten und mutet den ProtagonistInnen und auch uns zu, eine neue Lernerfahrung zu machen. Dafür braucht es Mut und Vertrauen. Nicht umsonst sind viele Prophetinnen und Propheten vor ihrem Auftrag zunächst zurückgeschreckt und brauchten Ermutigung, um sich ihrer Aufgabe zu stellen. Ermutigung brauchen auch wir und können wir einander weitergeben  mit den Worten „Fürchte dich nicht!“, ein Wort, das in der Bibel nicht umsonst ca. 365 Mal vorkommt, für jeden Tag im Jahr einmal.

Lernerfahrungen teilen - Einander ermutigen

Schauen wir mal: Welche ProtagonistInnen kommen in unserem Text vor?
(Schreiben auf Moderationskarten: Gastgeber, Diener, die Ersteingeladenen, die Zweiteingeladenen, die von den Hecken und Zäunen)

Stühle im Raum/ im Stuhlkreis werden mit je einer der Karten beschriftet und somit als Gastgeber/ Diener… gekennzeichnet.

Die Leiterin bittet eine Frau, auf dem Stuhl Platz zu nehmen und interviewt sie.
Zum Beispiel: Du bist der Gastgeber. Du hast ein großes Festmahl vorbereitet und viele Menschen dazu eingeladen. Nun ist das Festmahl bereit, doch einer nach dem anderen sagt ab. Gastgeber: Wie geht es dir?

Anschließend werden die anderen Frauen gebeten, den Gastgeber/ Diener/die Ersteingeladenen/ die Zweiteingeladenen/die Dritteingeladenen zu ermutigen: „Fürchte dich nicht … (die und die Lernerfahrung) zu machen.“

(Dazu ist es auch möglich, dass alle sich neben die Person stellen und ihr die Worte zusprechen.)

wichtig: anschließend De-Rolling, die Rolle wieder abstreifen!

Wir alle brauchen Ermutigung, um uns auf neue, uns verändernde Erfahrungen einzulassen:

Tanz: „Fürchte dich nicht“ (Musik: Wiesbadener Studiochor: Gelobt sei, der da kommt, Track 13      „Die Freude wird kommen“, Choreographie: Sr. M. Gessner OP)
                oder wiederholende Gebärde von der Abwehrhaltung zur Öffnung

Die Ausreden der Ersteingeladenen nehmen in dem Text einen breiten Raum ein, fast 1/3des Textes. Ihnen gegenüber steht die Aussage: „Kommt (jetzt), es ist alles bereit.“ und die Aussage in Vers 17, dass die Stunde des Festmahles da ist. So soll auch der Diener „schnell gehen“ und sogar Gäste nötigen zu kommen.

Wir sind schnell dabei, unsere Alltagsgeschäfte für so wichtig zu halten, dass kein Raum mehr ist für anderes. Hören wir den Ruf Gottes? Nehmen wir wahr, wann wir zum Festmahl gerufen sind? Nehmen wir wahr, wem gegenüber wir uns öffnen sollen und dürfen? Erinnern und leben wir den Sabbat als Befreiung aus Ägypten, als frohe Botschaft für alle?

Gott ruft Mose aus dem brennenden Dornbusch heraus mit seinem Namen und er antwortet: „Hineini - Hier bin ich.“ Lasst auch uns bereit sein für den Ruf Gottes an uns: „Hineini - Hier bin ich.“

Tanz: „Hineini“ (Musik: Helge Burggrabe, Choreographie: Nanni Kloke)
                oder Wiederholung von „Balance“ oder „Sonnentanz“

 

[1] „Falls die Zuhörenden trotz V. 12-14 noch gefragt haben, „Was sollen wir tun?“, ist das Gleichnis ein Wink mit dem Zaunpfahl: Etwas anders als bei dem beleidigten Gastgeber in der lukanischen Version des Gleichnisses sollten ihre Feste schon aussehen.“ (Luise Schottroff. Die Gleichnisse Jesu, S. 76)

[2] Es ist noch Raum da. (Lk 14,22). Evangelischer Frauensonntag 2018, S. 25.


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