Frauenpolitik
Arbeit von „Putevi mira“ im Spannungsfeld von Politik und sozialer Not
30.01.2026
Das Jahr 2025 war in Bosnien und Herzegowina von zunehmender politischer Instabilität und gesellschaftlicher Unsicherheit geprägt. Nationalistische Rhetorik und das anhaltende politische Agieren von Milorad Dodik – trotz seines formalen Ausschlusses aus politischen Ämtern – verschärften die Spannungen im Land. Sonderwahlen im November wurden von Unregelmäßigkeiten überschattet. Gleichzeitig stehen enorme staatliche Ausgaben in starkem Widerspruch zur prekären Lebensrealität vieler Bürger*innen, insbesondere von Rentner*innen und Geringverdienenden. Die Angst vor weiterer Destabilisierung wächst mit Blick auf die Wahlen 2026 und den zunehmenden äußeren politischen Einfluss.
Diese politische und wirtschaftliche Lage trifft ältere Menschen besonders hart. Einsamkeit, soziale Isolation und mangelnde institutionelle Unterstützung prägen ihren Alltag. Viele leben allein, fühlen sich von staatlichen und kommunalen Strukturen im Stich gelassen und sorgen sich um medizinische Versorgung und finanzielle Sicherheit. Mit den Projekten „Leben in Würde für ältere Menschen“ und „Gegen das Stumm- und Unsichtbarsein“ versucht der Verein „Putevi mira“, mit dem die Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland verbunden sind, diesen Menschen durch Begegnungen, Hausbesuche, medizinische Basisbetreuung und soziale Aktivitäten Aufmerksamkeit, Würde und Gemeinschaft zu geben. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel konnte eine pensionierte Pflegekraft jedoch nicht ersetzt werden.
Frauen sind mehrfach betroffen: von Armut, Pflegeverantwortung, sozialer Unsicherheit und zunehmender Gewalt. Femizide und häusliche Gewalt nehmen zu, viele Betroffene schweigen aus Angst, Scham oder wirtschaftlicher Abhängigkeit. In Gesprächen und Veranstaltungen mit Fachkräften thematisierte der Verein Gewalt gegen Frauen, Kinder und ältere Menschen und betonte, dass Gewalt kein privates, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Durch Bildungsangebote wie die Ausbildung in der Altenpflege unterstützt „Putevi mira“ Frauen dabei, berufliche Perspektiven zu entwickeln, ihr Einkommen zu sichern und ihr Selbstvertrauen zu stärken.
Trotz schwieriger politischer Rahmenbedingungen, finanzieller Engpässe und gesellschaftlicher Krisen setzt der Verein seine Arbeit fort – als Zeichen von Solidarität, Menschlichkeit und leiser, aber beharrlicher Hoffnung.
Evangelische Frauen in Mitteldeutschland (EFiM)