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Frauenpolitik

Gedenken an Elisabeth von Thüringen

2020_Brunnen Elisabeth_Elisabethkrankenhaus

19.11.2020

Radikal, solidarisch, aktivistisch – so war Elisabeth von Thüringen. In ihrem kurzen, aber bewegten Leben, setzte sie sich für Arme und Kranke ein, überwand Standesgrenzen und dient noch heute vielen als Vorbild. In der katholischen Kirche wird sie als Heilige verehrt, in der evangelischen Kirche wird an sie als Patronin der Nächstenliebe erinnert. Die evangelische Kirche feiert den Elisabeth-Gedenktag am 19.11, an ihrem Namenstag, der auf den Tag ihrer Beisetzung fällt. Elisabeth lebte auf dem Gebiet der EKM, auf der Wartburg sowie auf Burg Neuenstein.

Von ihrer Empathie für marginalisierte Menschen, ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit, ihrem Unrechtsbewusstsein und ihren ehrlichen Aktionen können wir und wollen wir als Evangelische Frauen in Mitteldeutschland lernen. Wo würde sich Elisabeth heute engagieren? Welche Unrechtsstrukturen würden ihr auffallen? Welchen Menschen würde sie sich zuwenden?

Mit diesen Fragen regt die Biographie von Elisabeth von Thüringen uns und vielleicht auch Sie an, sich in Gedenken an sie mit den Ungerechtigkeiten dieser Zeit zu beschäftigen. Wo braucht es unser Engagement heute? Welche Menschen sollten wir in den Blick nehmen? Wo gilt es heute, wirksam zu werden und „Kreise zu ziehen“ wie in unserem oben gewählten Bild. Das Bild zeigt einen Brunnen im Elisabeth-Krankenhaus in Halle mit einem Mosaik, das Elisabeth gewidmet ist.

Aus dem Leben der Elisabeth von Thüringen 

Im Jahr 1207 in Ungarn in einige adelige Familie geboren, wurde Elisabeth bereits als vierjährige an den Hof der Landgrafenfamilie ihres zukünftigen Ehemannes nach Thüringen gebracht. Soweit, so gewöhnlich in dieser Zeit, in der Ehen im Rahmen politischer Taktik geschlossen wurden. Im Verlauf der Jahre verstarb jedoch der ihr zugedachte Mann und sie heirate später dessen Bruder Ludwig. Es wird überliefert, dass es sich um eine für diese Zeit ungewöhnliche Liebesheirat gehandelt habe. Bereits mit 20 Jahren wurde Elisabeth Witwe und hatte drei kleine Kinder. Im jungen Alter von 24 Jahren verstarb Elisabeth in Marburg an der Lahn.

Schon früh engagierte sich Elisabeth für die an den Rand gedrängten Menschen in ihrem Umfeld. Sie begegnete sozialen Problemen und Nöten ihrer Zeit aktiv und entschlossen und machte von ihren Privilegien Gebrauch, um Not zu lindern. Nicht nur in der Abwesenheit ihres Mannes, übernahm sie Verantwortung am Hof. Vor allem in Krisenzeiten engagierte sie sich und teilte beispielsweise während einer großen Hungersnot in Thüringen Getreide mit bedürftigen Menschen.

Auch in ihren privaten Bezügen, machte sie auf Unrechtsstrukturen aufmerksam und handelte sehr konsequent. Sie verweigerte beispielsweise jegliches Essen, das nicht rechtmäßig auf den Tisch gekommen ist und beispielsweise durch Raubzüge erbeutet wurde. Damit eckte sie in der Familie und bei Außenkontakten an und erntete oftmals Spott und Häme. Dies verstärkte sich, als Elisabeth begann, aktiv Kranke zu pflegen und im Hospital mitzuhelfen. Im Verlauf der Zeit trug sie selbst nur noch ein Armengewand als Kleidung. Mit diesem nicht standesgemäßen Verhalten fiel sie negativ auf. Für sie selbst wurde es jedoch zunehmend zu ihrer Lebensaufgabe und zeigte sich auch in der Verantwortung, die sie für den Bau eines Hospitals in Marburg übernahm.

Als gläubige Christin schloss sie sich der radikalen Armutsbewegung an. Die Franziskaner dienten ihr hierbei als Vorbild. Dieser religiöse Bezug verstärkte ihr soziales Engagement und gab ihr eine nötige Rückbindung und Bestätigung ihres Tuns. Einerseits ist das beeindruckend, andererseits ist ihr radikaler Glaube aus heutiger Sicht auch problematisch. Um ihrem Glauben gerecht zu werden, band sie sich stark an ihren geistlichen Leiter Konrad, der nach dem Tod ihres Mannes dann völlige Kontrolle über sie übernahm. Dies führte dazu, dass er sie schließlich dazu bewegte, sich auch von ihren Kindern loszusagen, um sich allein dem Glauben hinzugeben. Von Konrad ließ sie sich körperlich und seelisch bestrafen und demütigen. Kein Vorbild im Glauben in dieser Hinsicht! Ihr entschlossenes Handeln und ihr mutiger Einsatz für die marginalisierten Menschen ihrer Zeit kann jedoch auch durchaus für heute ein Vorbild sein! 

Foto: Carola Ritter