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Bilder und Berichte 2022

Bericht Tagung für ehrenamtlich kirchenleitende Frauen 25.-27. März

2022_Ehrenamtstagung Eisenach

24.03.2022

Vom 25. bis 27. März 2022 trafen sich über 20 kirchenleitende Frauen aus dem gesamten Gebiet der EKM in Eisenach, um sich gemeinsame mit der Gleichstellungsbeauftragten Dorothee Land und der Leitenden Pfarrerin der EFiM Eva Lange dem Thema "Verbundenheit bewahren - jüdische und christliche Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus und ihr Erbe heute“ zu widmen. Am ersten Abend der Tagung berichteten Frauen von Spuren jüdischen Lebens in ihren Heimatgemeinden: in Städten, wie Mühlhausen zum Beispiel, hatte es ein reiches jüdisches Leben vor 1933 gegeben, in manchen kleinen Ortschaften waren keine Spuren zu finden. Bitter war, sich wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass es sechs Millionen Menschen jüdischer Religion waren, die die Nationalsozialisten ermordet haben. An sie erinnern heute in einigen Städten Stolpersteine, Gedenktafeln oder Synagogen, die als Museum oder Begegnungsstätte dienen. Anschließend führte uns Kirchenrätin Charlotte Weber in den jüdisch-christlichen Dialog der EKM ein. In Erfurt, Halle und Magdeburg gibt es heute jüdische Gemeinden.

Am Samstag erwartete die Teilnehmerinnen ein intensives Programm: am Vormittag hielt PD Dr. Susanne Schuster (Kirchenhistorikerin Leipzig) das Einführungsreferat zur historischen Entwicklung des Antisemitismus vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus. Sie stellte uns die Positionen der Deutschen Christen, der Bekennenden Kirche und einzelner evangelischer Frauen vor. Es war eine neue Erkenntnis, dass die Leitung der Bekennenden Kirche sich nicht gegen Antisemitismus und Judenverfolgung positioniert hatte. Anhand der Lebenszeugnisse von Paula Maria Lange, Elfriede Amme, Anna Julie Marie Begas, Gertrud Schäfer und Eva-Maria Molkenteller legte sie dar, zu welchen Entscheidungen einzelne Christinnen in Mitteldeutschland damals gefunden haben. Bewusst wurde uns, dass wir heute Ermutigung brauchen, um uns in einer Minderheitensituation, zum Beispiel in der Dorfgemeinschaft, selbst klar gegen Menschenfeindlichkeit zu positionieren.

Am frühen Nachmittag besuchten wir die Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche ‚Entjudungsinstitut‘ 1939–1945“ im Lutherhaus in Eisenach. Hier sahen wir ein Stück Geschichte unserer Landeskirche, die in jener Zeit institutionalisiert daran gearbeitet hatte, alles aus christlicher Theologie und Gemeindepraxis zu beseitigen, was an jüdischen Wurzeln erkennbar war. Als schockierend empfanden es die Teilnehmerinnen, dass Bücher des Theologie-Professors, der damals Leiter des ‚Entjudungsinstituts‘ war, noch heute ohne diesbezügliche Anmerkung Teil der Bibliotheken der theologischen Fakultäten sind.
Anschließend erzählte uns Gudrun Kurtzke (ehemalige Religionslehrerin) unter Mitwirkung von Ulrike Quentel (Gemeindekirchenrätin, EFiM-Beirätin, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Eisenach) die Lebensgeschichte von Avital Ben Chorin (Lehrerin, Publizistin, Friedensaktivistin). Sie war, geb. 1923 in Eisenach als Erika Fackenheim, mit 14 Jahren nach Israel ausgewandert und so als einzige ihrer Familie der Ermordung entgangen. Seit den 1980er Jahren gab es dennoch einen Weg der Erinnerung, Versöhnung und des Dialoges: Avital Ben Chorin und Gudrun Kurztke intensivierten über Briefwechsel, Besuche und Projekte mit Schulklassen die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit in Eisenach. Bis heute ist Avital Ben Chorin Ehrenbürgerin der Stadt Eisenach.

Am Abend durften wir dem Konzert von Almuth Heinze (Violine, Bratsche, Gesang) und Jens Heinze (Klavier) von der Eisenacher Band Hinz&Kunz’t lauschen. Jiddische Melodien und Lieder, voller Lebenslust aber auch Sehnsucht, berührten uns und manch eine bekam fast Lust, mitzutanzen.

Am Sonntag beendeten wir die Tagung mit einem Abendmahlsgottesdienst (Mk 5, 21-34 und Bildmeditation zur „Weißen Kreuzigung“, Marc Chagall), der stärkend und ermutigend war.

Bericht: Eva Lange